Mit Yoga, Meditation, Weisheiten…das Leben in seiner Vielfalt und Schönheit feiern!

Mit Yoga, Meditation, Weisheiten…das Leben in seiner Vielfalt und Schönheit feiern!


Home  › Yoga @de › Meditation und Yoga öffnen Grenzen 

Newsletter abonnieren

Erhalte eine Zusammenfassung der Beiträge direkt in Deine Inbox

Popular Posts


Meditation und Yoga öffnen Grenzen

Jun 2, 2015 at 12:31 PM PST

Die Wellen sind immer schon Teil des Ozeans. Sie haben keine eigene Identität. – (Ashtavakra Gita, Kapitel 7, 66)

Diese Aussage in Sri Sri Ravi Shankars Kommentar zur Ashtavakra Gita hat mich am meisten berührt, als ich das siebte Kapitel las. Im ersten Augenblick hat sie mir einen Stich versetzt, denn mein Ego plusterte sich auf und pochte auf seine Existenz und damit eine eigenständige Identität. Doch das Gefühl verebbte in dem Moment, da es kam, eben wie eine Blase im Wasserglas, die an die Oberfläche steigt und dann wieder mit dem Wasser verschmilzt.

Doch warum versetzt mir die Aussage überhaupt einen Stich? Unser ganzes Leben basiert auf dem Identitätskonzept, und Identität ist eng verbunden mit dem Ego. Das Ego ist die Schicht in unserem Leben, die Grenzen errichtet, die „unser Territorium“ markiert, die uns einerseits schützt und uns gleichzeitig glauben macht, wir seien etwas Besonderes. In jedem Fall jedoch begrenzt uns das Phänomen der Identität oder des Ego, denn das große Ganze, das Leben als Gemeinschaftsprojekt, zerfällt so in viele kleine Fragmente.

Es gibt im Leben eine Unmenge an Dingen, mit denen wir uns identifizieren: Wir sind Mann oder Frau, jung oder alt, gesund oder krank, erfolgreich oder Versager, Ärzte, Straßenarbeiter, Manager etc. etc. All das sind Konzepte, die Grenzen zwischen Menschen, aber auch zwischen uns und unserem Selbst schaffen. Also dem, was wir wahrlich sind, ohne dass dem Selbst eine Identität zugesprochen werden könnte. Denn das ist der große Witz an der ganzen Sache: Man fühlt sich getroffen, wenn man hört, man hätte keine eigene Identität, aber das Selbst, Bewusstsein, Brahman, die LIEBE, das woraus wir alle gemacht sind, hat „selbst“ keine Identität. Ist das nicht ulkig? Die einzige Kraft, die überhaupt existiert, eine Kraft, die so liebe- und rücksichtsvoll, mächtig, ja allmächtig ist, eine Kraft, die weder Name noch Form besitzt, dieses eine Wesen, das wir alle sind, hat keine Identität… Und das Ego fühlt sich beleidigt, wenn es liest, dass selbst es eben „auch“ keine hat.

Mit der Identität geht einher, dass wir ständig das Gefühl haben, wir müssten etwas verteidigen: unser Leben, unseren Job, unsere Familie, unseren Ruf etc. Erinnerungen und Erfahrungen nähren dieses Gefühl, all die Ereignisse aus der Vergangenheit sowie Hoffnungen und Ängste, die wir in Hinblick auf die Zukunft haben. Doch weder Vergangenheit noch Zukunft existieren. Alles ist leer: Die Vergangenheit ist vorbei, noch wird die Zukunft je kommen. Unser Geist arbeitet permanent, ständig kalkuliert er, wie Dinge passieren könnten, basierend darauf, wie Dinge einst passiert sind. All das existiert JETZT jedoch nicht mehr, es ist vorbei, leer. Wie kann also Identität etwas sein, das Bedeutung, ja eine solide Existenz hat? Alles ist in einem ständigen Fluss begriffen, alles wird in jedem Augenblick neu erschaffen, die Schöpfung ist in jedem Augenblick jungfräulich. In der Tat ist es unser Geist, der in jedem Moment die Realität, unsere Realität, neu erschafft. Doch auch das, diese unsere stets neu erschaffene Realität, ist immer nur eine Welle, die sich erhebt, um im gleichen Augenblick wieder Teil des Ozeans zu werden.

Wie hat schon George Michael gesungen? „Change is a stranger that never seems to show“ (Die Veränderung ist eine Fremde, die sich nie zeigt) Und doch: Sie zeigt sich, jedoch nur, wenn wir den Blickwinkel des Selbst einnehmen, dieses Selbst, das wir alle SIND. Denn die Veränderung nimmt nur „der“ wahr, der sich selbst nicht verändert, immer gleich bleibt. Das ist der Ozean, der seine Wellen reitet, immer aufs Neue, dabei jedoch immer „nur“ der Beobachter bleibt. Ein Paradox? Ja. Wie pflegte mein Doktorvater immer zu sagen: „Der Widerspruch ist etwas, das Sie aushalten müssen.“ Recht hat er, sage ich jetzt. Denn nur im Widerspruch nähern wir uns der Wahrheit, der Wahrheit des Seins.

Meditation, Yoga, Atemübungen, spirituelles Wissen, all das, was mein Leben täglich ausmacht, und ich dank Art of Living und Sri Sri Ravi Shankar erst so richtig kennen gelernt habe, zeigen, wie wichtig es ist, im Jspirituelle, Übungenetzt zu leben, den Geist in den Augenblick zu bringen. Hier sind wir frei von Gedanken und erleben die Stille in uns, das Selbst, das wir sind. Oft habe ich mich gefragt, was das denn soll: „Im Jetzt sein.“ Denn selbst der gegenwärtige Augenblick ist vorbei, sobald man sich seiner bewusst wird. Hier sagte Sri Sri sinngemäß einmal, dass es nicht um den Augenblick der Zeit geht, sondern um die Tiefe der Erfahrung, die Tiefe der Stille. Tauchen wir tief in uns selbst ein, dann besteht die Zeit nur noch aus Augenblick. Im Grunde ist die Zeit aufgehoben.

Das Leben, das Sein, die LIEBE als Sein ist nichts, wofür es Worte gibt. Die LIEBE, die wir alle sind, die alles mit Leben erfüllt, kann man nur fühlen, nicht in Worte fassen. In der Literatur nennt man dieses Gefühl „das Erhabene“, d. h. wenn man sich überwältigt fühlt von einem Sonnenuntergang, einer wundervollen Landschaft oder tief bewegt ist von einem Gemälde, einem Gedicht etc. Dieses Gefühl der gebannten, von Liebe erfüllten Ohnmacht… Es hält nur einen Augenblick an. Doch dieser eine Augenblick ist eine Epiphanie, ein kurzer Moment des Innehaltens, in dem wir uns gewahr werden, was wir wirklich sind. In diesem Augenblick fühlen wir uns eins mit allem, unser Kopf ist leer, unser Herz weit offen. Unsere Identität verschmilzt mit unserem Selbst. Konzepte darüber, was oder wer wir sind, verschwinden in diesem einen Augenblick.

Je regelmäßiger wir unsere spirituellen Übungen machen, unsere Meditation, Asanas und die Atemtechniken, die uns ins Jetzt bringen, umso mehr sind wir dazu in de Lage, die Stille in uns tatsächlich zu hören. Umso mehr fühlen wir uns auch mit allem und jedem verbunden, und Identität kreiert keine Grenzen mehr. Wie der Ozean, sind wir alles und nichts zugleich, still und doch so voller Leben. Immer wieder neu, immer wieder jetzt.

The following two tabs change content below.

Dr. Stephanie Egger

Comments

comments

Tags: ,